Mustang Makeover 2017 – 90 Tage mit einem Wildpferd


Ein Erfahrungsbericht von der Mustang Challenge 2017 von Dr. Vivian Gabor

Eine intensive, emotionale und sehr interessante Zeit mit dem Mustang geht nun vorbei. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt: Verhalten sich die Pferde, die vor zwei Jahren aus der Wildnis gefangen wurden, aber keinen Menschenkontakt kennen, anders als hier „wild“ aufgewachsene Pferde?

Ich merkte schnell, schon in der ersten Begegnung, dass trotz Halftergewöhnung, die die Wochen zuvor von der amerikanischen Trainerin vorbereitet wurde, die Pferde sich anders verhalten, als wir das hier von unseren Hauspferden kennen. Die Reaktionen sind blitzschnell, ob in die Flucht oder in die Abwehr. Enge Räume, wie Box oder schon der Putzplatz, schränkt sie in ihrer natürlichen Übersicht ein und lässt sie skeptisch werden. Dies äußerte sich bei meiner Mustangstute eher mit Abwehr. Auf der anderen Seite hat sie sich mir innerhalb von wenigen Tagen angeschlossen und ist mir fast überall hin gefolgt.

Die natürlich feine Reaktion auf Gestik und Mimik war faszinierend und auch die Gewöhnung an neue Objekte, wie die Satteldecke, Sattel oder Gamaschen, stellten dann kein großes Problem mehr dar. Ich habe gemerkt, dass noch stärker als bei einem „normalen“ Pferd das Anschließen an eine „Leitfigur“ und das damit geschenkte Vertrauen der Schlüssel zu allem Weiteren ist. Meine Mustangstute war zwar sehr wachsam gegenüber ihrer Umwelt, war aber dabei nicht scheu – ganz im Gegenteil: Sie hat sich genau überlegt wofür sie ihre Energie einsetzt – wie es auch in der freien Wildbahn Sinn macht.
Besonders hat mich ihre schnelle Anpassung an die neue Umgebung, an mich und an die Signale und Stimmkommandos beeindruckt. Diese schnelle Lernfähigkeit macht natürlich Sinn in der Natur, um Gefahren sofort einschätzen zu können, aber auch um für sie positive Situationen immer wieder herbeizuführen.

Für mich selbst habe ich ebenfalls viel dazu gelernt: Anfangs ging kaum etwas, wenn ich mich habe ablenken lassen, beispielsweise mit jemandem anderen zu sprechen. Die Unkonzentriertheit machte sie sofort unruhig. Ich musste also sehr konzentriert und bewusst bei der Sache sein. Umso sicherer unsere Routine wurde beim Anbinden, Putzen, bei der Bodenarbeit und später beim Satteln und Reiten, umso mehr wuchs das gegenseitige Vertrauen.

Aber dennoch bleibt die Achtsamkeit bei diesen Pferden auf die menschliche Körperspannung enorm hoch. Mit Hektik oder hohem Druck kommt man hier nicht weiter. Man muss ihnen zeigen, was positiv an der neuen Situation, der Übung oder dem neuen Gegenstand ist, dann hat man den Mustang auf seiner Seite.

Es war eine Zeit, in der ich aus verhaltensbiologischer Sicht und aus Sicht einer Trainerin sehr viel dazu gelernt habe. Vor allem auch, Dinge nicht als selbstverständlich zu nehmen, die wir täglich unseren Pferden abverlangen, sondern immer wieder versuchen die Welt mit ihren Augen zu betrachten.

Mehr Inforamtionen zu meiner Arbeit findet Ihr unter www.viviangabor.de und www.IVK-MenschundPferd.com

Dr. Vivian Gabor


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